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Konzert
Di 27.März und Mi 28.März 20:00 Uhr Kirche St. Peter Zürich
Wolfgang Amadeus Mozart: Maurerische Trauermusik (1785)
José Mauricio Nunes Garcia: Oficio dos Defuntos (1816)
Ensemble TURICUM
Leitung: Mathias Weibel und Luiz Alves da Silva
Soli
Martina Fausch, Vera Ehrensperger, Elizabeth McQueen
Javier Robledano, Valentin Gloor, Reto Hofstetter
Marcus Niedermeyr, Michael Leibundgut
Orchester
Mathias Weibel, Marjolein Streefkerk, Maria Lieberherr
Cordelia Fankhauser, Mario Huter, Renate Steinmann
Laura Chmelevsky, Annette Kappeler, Marlise Goidanich
lze Grudule, Matthias B. Frey, Carles Cristobal
Pierre-André Taillard, Etele Dosa, Konstantin Timokhine
Omar Zoboli, Bernhard Kühne
Chor:
Simone Debrunner, Maya Feld, Mirjam Pfister
Martina Wernli, Danielle Geyer, Rejane Paiva
Florian Bauder, Claude Voirol, Luiz Alves da Silva
Johan Wouters, Martin Büssenschütt, John Fritz
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Das Ensemble TURICUM widmet sich seit Jahren der Aufführung klassischer Musik aus Brasilien. Sein 20-jähriges Bestehen feiert es mit Meisterwerken des bedeutendsten brasilianischen Komponisten seiner Zeit, José Mauricio Nunes Garcia, und seines Vorbilds Wolfgang Amadeus Mozart.
Bis vor noch nicht allzu langer Zeit hielt man die “alte Musik“ für ein europäisches Phänomen, und es war kaum bekannt, dass die Kolonisatoren auch abendländisches Kulturschaffen nach Amerika und in den Fernen Osten gebracht haben. Dank den steten Bemühungen von Forschern und Musikern, die die Bibliotheken Brasiliens durchstöbert haben, verfügen wir heute über ein originales Repertoire und wissen vieles über die Biografien seiner Komponisten.
Wenn Sie zum ersten Mal Musik von José Mauricio Nunes Garcia hören, werden Sie sich sicher Fragen stellen, mit denen wir schon länger immer wieder konfrontiert werden. Daher hier der Versuch, einige Punkte von vornherein zu erklären.
Sie werden sich vielleicht sagen: "Aber diese Musik klingt gar nicht brasilianisch", und wir fragen: Was erwartet man von brasilianischer Musik, die in einer Zeit komponiert wurde, da Brasilien, damals Kolonie von Portugal, als Nation noch gar nicht existierte? Samba-Klänge? Afrorhythmen? José Mauricio, wie er heute in Brasilien liebevoll genannt wird, lebte in einer Zeit, als sich das Gemisch von europäischer, afrikanischer und indianischer Kultur nur sehr zögerlich zu zeigen begann, und die ersten Früchte dieses musikalischen melting pot würden erst mehrere Jahrzehnte nach dem Tod des Komponisten reifen. Er war Kapellmeister des portugiesischen Hofes in Rio de Janeiro und hatte repräsentative, gediegene, pompöse Musik für die Hofzeremonien zu komponieren.
Falls Sie andererseits beim Hören denken, dass diese Musik sehr nach Haydn oder Mozart klingt, vergessen Sie nicht, dass José Mauricio auch aus der Quelle der Neapolitanischen Schule geschöpft hat – so wie die Wiener Klassiker, die auch nicht aus dem Nichts entstanden sind. Nunes Garcia kopiert nicht einfach seine Idole Haydn und Mozart, sondern er verfügt über das gleiche kompositorische Handwerk wie diese, die gleiche musikalische Sprache. Die Einflüsse portugiesischer Komponisten zusammen mit demjenigen der Neapolitanischen Schule (Porpora, Durante, Leo, Jommelli etc.) ergeben seinen ureigenen Stil, der zeitweise auch an Rossini erinnert. Und wenn Sie sogar Klänge hören, die an Schubert denken lassen, ist das nur ein weiteres Zeichen der Genialität Nunes Garcias, der ein Zeitgenosse Schuberts war, aber mit grosser Sicherheit nie eine Note aus dessen Kompositionen hören konnte.
Als die Königin D. Maria I von Portugal am 20. März 1816 in Rio de Janeiro nach langer Krankheit starb, war man darauf vorbereitet und hatte Zeit, wirklich grossartige Exequien zu organisieren, schliesslich war es das erste Mal in der Geschichte, dass ein gekröntes Haupt auf dem amerikanischen Kontinent starb. Der portugiesische Komponist Marcos Portugal wurde mit der Komposition der Totenmesse für die königliche Kapelle beauftragt. Nunes Garcias Ofício dos Defuntos wurde mit grosser Wahrscheinlichkeit in der Maria-vom-Berg-Karmel-Kirche von Rio de Janeiro in einer der zahlreichen anderen Exequien für die Königin aufgeführt.
Was an der Musik dieses Totenoffiziums auffällt, ist ihre herzzerreissende Schönheit und grosse Spiritualität: Alfredo d’Escragnolle, Vicomte von Taunay, ein Zeitzeuge, schrieb, das Totenoffizium von Nunes Garcia sei com lágrimas bem íntimas e sinceras – mit sehr innigen und ehrlichen Tränen – komponiert worden: Am gleichen Tag wie die Königin von Portugal starb auch die Mutter des Komponisten.
Die Persönlichkeit des Mulatten José Mauricio Nunes Garcia ragt aus der Menge der Künstler jener damals noch zu Portugal gehörenden Kolonie heraus. 1767 in Rio de Janeiro geboren, von der Bruderschaft São Pedro dos Clérigos erzogen und 1792 zum Priester geweiht, wurde er dank seinen aussergewöhnlichen musikalischen Fähigkeiten 1798 Kapellmeister an der Kathedrale von Rio, wo er die Nachfolge eines Weissen, nämlich João Lopez Ferreira, antrat. Anlässlich der Eröffnung der Oper von Rio sollte er mit den beiden Werken Ulissea, einem Heldendrama, und O Triunfo da América (1809) grosse Erfolge feiern.
Für den Gottesdienst komponierte Nunes Garcia Messen und Motetten. Das Publikum bestand aus den Mitgliedern des portugiesischen Hofs, der sich seit der Invasion Portugals durch Napoleons Truppen 1808 in Rio de Janeiro im Exil befand. Es waren dies ungefähr 10’000 Personen, welche die Ränge der Gläubigen füllten. Nunes Garcia wurde von Königin Maria und ihrem Sohn, dem Prinzregenten Dom João, gefördert. Sein persönliches Talent wurde von der noblen portugiesischen Gesellschaft bald anerkannt und verhalf ihm rasch zu einem aussergewöhnlichen sozialen und beruflichen Aufstieg.
Der österreichische Komponist und Haydn-Schüler Sigismund von Neukomm, der von 1816 bis 1821 am portugiesischen Hof in Rio de Janeiro als Musiklehrer der königlichen Familie weilte, berichtete in der Allgemeinen Musikalischen Zeitung von einer Aufführung von Mozarts Requiem unter der Leitung Nunes Garcia:
“Rio de Janeiro. Die Korporation der hiesigen Musiker feyert jährlich das Fest der heil. Caecilia, dem einige Tage darauf eine Messe zum Andenken der während dem Laufe des Jahres verstorbenen Musiker folgt. Zu diesem Ende haben einige Mitglieder dieser Korporation, die Sinn für bessere Musik haben, Mozart’s Requiem vorgeschlagen, welches auch etztverflossenen December in der Kirche do Parto von einem zahlreichen Orchester aufgeführt wurde. Die Leitung des Ganzen hatte der Kapellmeister der königlichen Kapelle Hr. Jozé-Mauricio Nunes Garcia übernommen. Der Eifer, mit dem Hr. Garcia allen Schwierigkeiten entgegengearbeitet hat, um endlich einmal auch hier ein Meisterwerk unseres unsterblichen Mozart’s zur Aufführung zu bringen, verdient den wärmsten Dank der hiesigen Kunstfreunde, und ich meinerseits rechne es mir zur Pflicht, diese Gelegenheit zu benutzen, um unsere europäische Kunstwelt auf einen Mann aufmerksam zu machen, der es nur seiner grossen Bescheidenheit zuzuschreiben hat, wenn seiner vielleicht erst bey dieser Gelegenheit zum erstenmale öffentlich gedacht wird.“
Nach der Rückkehr des Hofes nach Lissabon im Jahr 1821 befand sich Nunes Garcia in einem Zustand der Erschöpfung und bei so schlechter Gesundheit, dass er nur noch wenig komponierte, mit Ausnahme der monumentalen und berühmten Missa Festiva zur Feier der Heiligen Caecilia aus dem Jahr 1826. Der geniale Organist, Komponist und Improvisator starb im April 1830 in Rio de Janeiro, von den Seinen vergessen, in einem Land, das mittlerweile unabhängig geworden war. Entsprechend den Wandlungen von Geschmack und Mode wurde es still um seine Werke. Erst rund 150 Jahre nach dem Tod Nunes Garcias begann seine Musik wiederaufgeführt zu werden.
Noch gibt es vieles zu entdecken im “klassischen“ Brasilien. Das Ensemble TURICUM freut sich, mit der Musik José Mauricio Nunes Garcias eine Verbindung zwischen dem alten Europa und der Neuen Welt zu schaffen.
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