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Brasilianisches Weihnachtskonzert
Sa 17. Dezember 2005 20:00 Uhr Grossmünster Zürich Vorverkauf Jecklin Zürich 044 253 76 76
Leitung: Luiz Alves da Silva et Mathias Weibel
Sopran: Martina Fausch, Vera Ehrensperger - Altus: Luiz Alves da Silva, Jan Thomer, Beat Mattmüller - Tenor: Reto Hofstetter, Frédéric Gindraux - Bass: Flávio Mathias, Robert Braunschweig Violine: Mathias Weibel, Sylvia Gmür, Monika Baer, Gabriela Ramsauer, Mario Huter, Renate Hofstetter-Viola: Laura Chemelvsky, Valentine Ruffieux Violoncello: Hristo Kouzmanov, Anderson Fiorelli - Violone: Matthias Frey - Gitarre: Rosario Conte, Nuno Miranda – Flöte: Renate Sudhaus – Klarinette: Pierre-André Taillard, Etele Dosa – Horn: Lorenz Raths, Patrik Gasser – Fagott: Donna Agrell
Zum Programm Bis vor noch nicht allzu langer Zeit hielt man die “alte Musik für ein europäisches Phänomen, und es war kaum bekannt, dass die Kolonisatoren auch abendländisches Kulturschaffen nach Amerika und dem fernen Osten gebracht haben. Dank den steten Bemühungen von Forschern und Musikern, die die Bibliotheken Brasiliens durchstöbert haben, verfügen wir heute über ein originales Repertoire und wissen über die Biografien seiner Komponisten Bescheid.
Aus der Menge der Künstler jener damals noch zu Portugal gehörenden Kolonie ragt die Persönlichkeit des Mulatten José Mauricio Nunes Garcia heraus. 1767 in Rio de Janeiro geboren, von der Bruderschaft São Pedro dos Clêrigos erzogen und 1792 zum Priester geweiht, wurde er dank seinen aussergewöhnlichen musikalischen Fähigkeiten 1798 Kapellmeister an der Kathedrale von Rio, wo er die Nachfolge eines Weissen, nämlich João Lopez Ferreira, antrat. Anlässlich der Eröffnung der Oper von Rio sollte er mit den beiden Werken “Ulissea“, einem Heldendrama, und “O Triunfo da América“ (1809) einen grossen Erfolg feiern.
Für den Gottesdienst komponiert José Mauricio Messen und Motetten. Das Publikum besteht aus den Mitgliedern des portugiesischen Hofs, der sich seit der Invasion Napoleons 1808 in Rio im Exil befindet. Es sind dies ungefähr 10 000 Personen, welche die Ränge der Gläubigen füllen. José Mauricio wird von Königin Maria und ihrem Sohn, dem Prinzregenten Dom João VI, gefördert. Sein persönliches Talent wird von der noblen portugiesischen Gesellschaft bald anerkannt und wird ihm bald zu einem aussergewöhnlichen sozialen und beruflichen Aufstieg verhelfen. Der österreichische Komponist und Haydnschüler Sigismund von Neukomm, der von 1816 bis 1821 am portugiesischen Hof in Rio weilt, berichtet von einer Aufführung des Requiems von Mozart unter der Leitung José Mauricios: “Rio de Janeiro. Die Korporation der hiesigen Musiker feyert jährlich das Fest der heil. Caecilia, dem einige Tage darauf eine Messe zum Andenken der während dem Laufe des Jahres verstorbenen Musiker folgt. Zu diesem Ende haben einige Mitglieder dieser Korporation, die Sinn für bessere Musik haben, Mozart’s Requiem vorgeschlagen, welches auch etztverflossenen December in der Kirche do Parto von einem zahlreichen Orchester aufgeführt wurde. Die Leitung des Ganzen hatte der Kapellmeister der königlichen Kapelle Hr. Jozé-Mauricio Nunes Garcia übernommen. Der Eifer, mit dem Hr. Garcia allen Schwierigkeiten entgegengearbeitet hat, um endlich einmal auch hier ein Meisterwerk unseres unsterblichen Mozart’s zur Aufführung zu bringen, verdient den wärmsten Dank der hiesigen Kunstfreunde, und ich meinerseits rechne es mir zur Pflicht, diese Gelegenheit zu benutzen, um unsere europäische Kunstwelt auf einen Mann aufmerksam zu machen, der es nur seiner grossen Bescheidenheit zuzuschreiben hat, wenn seiner vielleicht erst bey dieser Gelegenheit zum erstenmale öffentlich gedacht wird.“
Die Einflüsse Haydns und Mozarts zusammen mit demjenigen der neapolitanischen Schule (Leo, Jommelli etc.) ergeben José Mauricios ureigenen Stil, der zeitweise auch an Rossini erinnert Diesen durchzusetzen wird ihn immer mehr Kraft kosten, haben die Portugiesen doch auch einen Rivalen ins Land geholt: den Komponisten Marcos Portugal, der José Mauricio den Platz zunehmend streitig macht.
Haydns Einfluss ist natürlich besonders gut hörbar im 1821 komponierten “Laudate Dominum“, das auf Themen der Schöpfung basiert. Sowohl die Motetten “Lauda Sion“ und “Ecce Sacerdos“ als auch die Missa Pequena zu Ehren der Heiligen Theresa, der Schutzheiligen Rio de Janeiros, sind früher entstanden. Die Messe wurde erst in einer Version für Soli, Chor und Orgel niedergeschrieben und später orchestriert. 1814 schreibt José Mauricio ein sehr italienisches, sozusagen rossinianisches Werk: das “Bendito e louvado seja“, für das er eine Pension von 25 000 Reais erhalten sollte.
Auf dem Gebiet der Orchestermusik gibt die Ouvertüre in D (um 1800) ein sehr schönes Beispiel symphonischen Schaffens. Es handelt sich um ein losgelöstes Werk, das Mozartsche, Haydnsche, v. a. aber auch italienische Einflüsse zu einer persönlichen Handschrift verschmelzen lässt, indem der Komponist auf die langsame in Moll stehende und polyphon gehaltene Einleitung ein virtuoses, spritziges Allegro folgen lässt.
José Mauricios italienisch-klassischer Stil bleibt auch dann Europa verpflichtet, wenn er sich von populären Motiven inspirieren lässt. Besonders auffällig ist die Art und Weise den Chor zu behandeln, die Besonderheiten in der lateinischen Aussprache berücksichtigt.
Nach der Rückkehr des Hofes nach Lissabon findet José Mauricio zurück zu kreativer Unabhängigkeit und komponiert fast ausschliesslich für die Kirche, so z. B. 1826 die monumentale und berühmte Missa Festiva zur Feier der Heiligen Caecilia. Der geniale Organist, Komponist und Improvisator stirbt im April 1830 in Rio de Janeiro, von den Seinen vergessen, in einem Land, das mittlerweile unabhängig geworden ist. Entsprechend den Wandlungen von Geschmack und Mode wird es still um seine Werke.
Noch gibt es vieles zu entdecken im “klassischen“ Brasilien. Das Ensemble TURICUM freut sich, mit der Musik José Mauricio Nunes Garcia eine Verbindung zwischen dem alten Europa und der Neuen Welt zu schaffen. |
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