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Ensemble Turicum

Ensemble TURICUM

Immer wieder hat das Ensemble Turicum durch Entdeckungen vergessener Schätze der Musikliteratur Aufsehen erregt. Dass es zum Beispiel überhaupt so etwas wie brasilianische Barockmusik gibt, ist hierzulande so gut wie unbekannt. Das Ensemble Turicum möchte zeigen, dass ein Komponist wie José Maurício Nunes Garcia seinen europäischen Kollegen in nichts nachsteht. Um grösstmögliche musikalische Flexibilität zu gewährleisten, spielt es normalerweise in Kammerbesetzung (eine oder mehrere Singstimmen, einfache Streicherbesetzung. Continuo, wenn nötig Bläser), was im übrigen auch im 18. Jahrhundert eine weitverbreitete Praxis war.

Auch in seinen Einspielungen spiegelt sich der Mut zum Ungewöhnlichen: Heutzutage wäre jemand wie Giovanni Gualberto Brunetti, der als Hommage an sein verehrtes Vorbild Giovanni Battista Pergolesi ein Stabat Mater in dessen Stil geschrieben hat, als Epigone verschrien. Mit seiner CD-Einspielung (unter Mitwirkung der rumänischen Sopranistin Elena Mosuc) hat das Ensemble bewiesen, dass auch ein solches Werk hohe künstlerische Qualitäten haben kann. Die Reihe „Music of 18th century Brazil“, deren erster Teil Werke verschiedener Komponisten umfasst und deren zweiter Teil gänzlich dem Schaffen Manuel Dias de Oliveiras gewidmet ist, macht einen Teil der Weltgeschichte des
18. Jahrhunderts hörbar.

Verschiedene Konzertreihen und Festivals haben das Ensemble eingeladen, ihre Programme zu bereichern, so die Schlosskonzerte Thun, das Festival für Sakrale Musik Schwäbisch Gmünd, die Friedenauer Kammerkonzerte Berlin, die Musica antiqua im Musikverein Wien, das Festival “Les Chemins du Baroque“ in Sarrebourg und Paris sowie viele andere. Auf mehreren ausgedehnten Tourneen stellte das Ensemble seine Interpretationen südamerikanischer Kolonialmusik dem Publikum in Brasilien und Bolivien vor.

Im Auftrag der Stiftung Pro Helvetia forschte das Ensemble TURICUM im Nationalarchiv der bolivianischen Haupstadt Sucre nach kolonialer Barockmusik, die es an den Festivals von Santa Cruz de la Sierra, dem Festival de Inverno in Ouro Preto sowie verschiedenen europäischen Städten vorstellte.

Grosses Aufsehen bei Presse und Publikum erregte die 1999 erschienene CD mit der Missa Pastoril des brasilianischen Beethoven-Zeitgenossen José Maurício Nunes Garcia.

Ob es mit oder ohne Singstimme musiziert, ob es italienische, ibero-amerikanische, deutsche, unbekannte oder bekannte Musik spielt – immer stellt das Ensemble Turicum die „dolcezza“ der gesungenen Linie und die Dramatik der Sprache in den Vordergrund.