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Hugo Loetscher

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„Minas Gerais„ von Hugo Loetscher

Dass die Kirchen in Minas Gerais dem Auge Unvergessliches bieten, weiss jeder, der in der ehemaligen Goldprovinz reiste. In diesen Bauten hat der Barock Triumphe gefeiert. Eine Kunst, mit der Brasilien zu einem eignen schöpferischen Ausdruck Ausdruck fand. Ein glorreiches Beispiel dafür stellt die Matriz von São José del Rei, heute Tiradentes, dar: goldverziertes Schnitzwerk des Altars, Deckengemälde als Himmel, der pathetische Gestus von Skulpturen, ein Dekor das zur Architektur wurde, und als Material für das Portal ein Sandstein, der sich zu Reliefs ziselieren lässt- Bau gewordene Sinnesfreude irdischer Vergänglichkeit. In dieser Hauptkirche, dem heiligen Antonius geweiht, findet der heutige Besucher eine Sängerempore und eine Orgel. Sie zeugen dafür, dass die Musik in Minas Gerais eine bedeutende Rolle spielte. Das gilt besonders für die Matriz von João Rei. Diese Kirche und ihre Musik ist unzähligen Mulatten, die die Kunst, das Kunstwerk und die Musik prägten, ein Nachfahre von Sklaven, ein begnadeter Sänger und Komponist, Autodidakt wie die meisten Musiker dieser Zeit. Dass seine Musik nicht für immer verstummte, verdanken wir dem Ensemble Turicum, das seine Kompositionen mit Original oder nachgebauten Instrumenten spielt. Dank dieser Zürcher Musikgruppe kommt das barocke Brasilien zu Stimme und Musik. Es ist, als ob erst jetzt die Goldprovinz in ihrer ganzen Fülle und in vollem Umfang erlebbar wird. Der Barock, der dem Auge so viel gibt, bietet dem Ohr nicht minder Unvergessliches.