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Dominique Fernandez

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Von Dominique Fernandez

Ouro Preto! Schwarzes Gold! Der Name einer der schönsten Städte der Welt. Daß man, um zu ihr zu gelangen, die brasilianischen Berge überqueren und bis zum Tal vordringen muß, in dem ihre Schätze versteckt liegen, macht sie nur noch anziehender. Hier entdeckte im 18. Jahrhundert ein Sklave Goldpartikel in einem Bach; hierhin strömten die portugiesischen Massen auf der Suche nach dem kostbaren Metall. Hier wurden Paläste, Kirchen, Brunnen errichtet. Hier schließlich entwickelte sich eine unabhängige Zivilisation, die äußerste Spitze der europäischen Barockkunst, auf dem Feuer der Tropen geschmort und mit afrikanischen und indianischen Einflüssen bereichert. Aleijadinho, Architekt und Bildhauer von der Kraft eines Michelangelo oder eines Puget, hat Ouro Preto Zeugen seines Genies hinterlassen; so auch der Maler Ataíde, der für seine Engel und Jungfrauen Mulatten als Modelle nahm. Ebenfalls in Ouro Preto entsteht eine erstauliche Kompositionsschule, die man erst jetzt dem Vergessen zu entreißen beginnt. Minas Gerais (Staat der Minen) behütet mehrere Zeugen dieser musikalischen Leidenschaft: In Mariana eine Schnitger-Orgel, 1752 aus Hamburg importiert; in Ouro Preto selber ein Operntheater; und überall Kirchen, wo Hymnen, Motetten, Messen, Te Deum ertönten, wo sich die klanglichen Früchte einer ursprünglichen Liturgie entfalteten, die in einer köstlichen Synthese die Wendungen des italienischen und portugiesischen Barock mit dem lokalen Empfinden verschmolz. Was gibt es Ergreifenderes als diese Gesänge, in denen die derbe religiöse Hingabe der Pioniere und Goldsucher sich durch die Berührung mit hochverfeinerter Kunst veredelte. Als glänzendes Beispiel für Kulturen-Vermischung ist die Musik von Minas Gerais die beste Zugangspforte zu dem geheimnisvollen und prächtigen Brasilien.