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Iphigenia

Iphigenia en Tracia Zarzuela von José de Nebra (ca. 1695-1768)
Spanische barocke Oper, konzertante Aufführungen mit Tanz

Ensemble TURICUM
Leitung: Luiz Alves da Silva und Mathias Weibel

Iphigenia Sopran Martina Fausch
Dircea Sopran Susana Gaspar
Cofieta Alt Kismara Pessatti
Orestes Tenor Reto Hofstetter
Mochila Tanz Georgia Gallardo

Violine Mathias Weibel, Mario Huter, Sylvia Gmür, Sabine Furrer
Viola Laura Chmelevsky
Cello Anderson Fiorelli
Violone Matthias B. Frey
Horn Konstantin Timokhine, David Acklin
Gitarre Vioncent Flückiger
Cembalo Johannes Strobl

Di 18. Nov 08 20:00h Konzert Predigerkirche Zürich
Mi 19. Nov 08 20:00h Konzert Predigerkirche Zürich

Die Zarzuela
Über die Zarzuela steht im Diccionario de Autoridades 1739 : "Theaterstück auf spanische Art, bestehend aus nur zwei Akten. Der Name rührt daher, dass sie als erstes auf dem königlichen Landsitz, der Zarzuela heisst, dargeboten wurde." Überraschenderweise ist hier von Musik keine Rede. Dass ein Theaterstück solche enthält, war offenbar so klar, dass es reichte zu sagen "auf spanische Art". Die Zarzuela ist aus der spanischen comedia (im Sinn von Theaterstück) entstanden und wurde dann aber stark von der italienischen Oper beeinflusst. Ihre Entwicklung von der comedia mit Musik in zwei Akten zur Oper mit gesprochenem Text ist zum grossen Teil der offiziellen und ab 1730 beherrschenden Rolle der italienischen Oper in Madrid zuzuschreiben. Besonders wichtige Ereignisse sind die Ankunft des Kastraten Farinelli und die Eröffnung des Teatro de los Caños del Peral 1738. Das dramma per musica nach Metastasio erfreute sich aber schon länger grosser Beliebtheit. In den dreissiger Jahren waren die Themen der Zarzuela spanisch und die Musik italienisch, während in den vierziger Jahren sich die dramaturgischen und thematischen Parameter verschoben und eine Art klassizistische Zarzuela entstand. Iphigenia en Tracia ist ein typisches Beispiel dafür. Der Librettist González Martínez war der erste, der den Iphigenie-Stoff in Spanien zu einem Drama verarbeitete. Man findet in ihr sowohl Elemente der italienischen Opera seria, wie die Ouvertüre oder die Da Capo-Arie, insbesondere wenn es um die Liebeswirrungen zwischen Ifigenia und Orestes geht, als auch solche aus der comedia: Seguidillas, Cuatros, Canciones a modo de Villancico, Bailete Pastorela und vor allem das Dueto Burlesco. In letzteren wird die tragische Geschichte zwischen den Hauptpersonen kräftig auf die Schippe genommen. Die heutige Aufführung beschränkt sich auf die Musiknummern, da der gesprochene Text für eine konzertante Aufführung nicht relevant ist. Als spanisches Element der comedia/zarzuela und besonderer Leckerbissen gibt es hingegen die Tanznummern. Die Geschichte Die Geschichte von Nebra/Martinez' Iphigenia en Tracia basiert auf Euripides' Stück "Iphigenie in Tauris". Die Änderung im Titel ist nur auf eine geografische Verwechslung zurückzuführen. Orest, der seine Mutter und ihren Liebhaber erschlagen hatte, um deren Mord an seinem Vater Agamemnon zu rächen, ist auf das Geheiß Apollos nach Tauris gezogen, um für seine Tat zu sühnen. Dort soll er zusammen mit seinem Freund Pylades Dianas Bildnis aus deren Tempel stehlen. Die Priesterin jenes Tempels ist aber seine Schwester Iphigenie, die, dem Opfer von Aulis entkommen, von der Göttin dahin gebracht worden ist. Zur Zeit des Königs Thoas besteht das Gesetz, dass die ersten Fremden, die das Gebiet des Tempels betreten, geopfert werden müssen. Diese sind eben Orest und Pylades. Vor diesem Hintergrund spielt sich das Drama ab. Orests Schwester Elektra und Cofieta haben Schiffbruch erlitten und befinden sich als Hirtinnen verkleidet in der Gegend des Tempels, und Polydor ist gekommen, um sich mit Dircea zu verloben. Als er aber Ihigenie sieht, wird er schwach... Ohne dass die beiden ihre Verwandtschaft entdecken, gibt es eine geheime Anziehung zwischen Iphigenie und Orest, welche Iphigenie hindert, das grausame Gesetz zu vollziehen und ihren Bruder zu opfern. Sie bietet an, ihr eigenes Leben zu geben. Dircea geht zu Orest und behauptet, er könne dank ihr am Leben bleiben. Das kompliziert natürlich die Beziehung zwischen Iphigenie und Orest. Cofieta und Mochila machen sich lustig über den Olymp, die Liebeswirren, die Ehe und Ehre ... Als alles verloren scheint, erkennen sich Elektra, Iphigenie und Orest als Geschwister. Iphigenie fleht Thoas (der Iphigenie gerne zur Frau hätte) um Erbarmen an. Falls er nicht nachgibt, wollen sie alle sterben... Diese Themen waren schon damals etwas wie Reste aus der Vergangenheit, die aber vom Publikum gerne aufgenommen wurden, da sie Raum boten für alles was zu so einem Singspiel gehört: Pastorales Umfeld, Schlachten, Überfälle, Witziges und Grausames, alles zur Ergötzung der Zuschauer. Bei all dem gab es ein geheimes Einverständnis zwischen Publikum, Akteuren, Komponist und Dramaturg: Es ging ums Spektakel.

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